Das nachfolgende Excerpt bezieht sich auf einen Fragenkatalog
zur Vordiplomsprüfung Psychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität
München, Teilbereich Allgemeine Psychologie I
Grundlage ist ein allgemein zugänglicher Fragenkatalog,
Antwortengrundlage ist M.G.Wessels, Allgemeine Psychologie (1984)
Die Texte sind komprimiert und sollen ein Gedankengerüst
zur Entwicklung eigener Antwortausarbeitungen sein.
Textgröße 8 pt., das ist (ausgedruckt) noch
lesbar und reduziert den Papieraufwand.
Vergrößern geht so: einfach das File mit "FILE/SPEICHERN
UNTER" auf die eigene Festplatte laden.
Dann offline das Dokument im Netscape Composer öffnen
(Datei/Öffnen/Suchen...<Dateiname> Auswahl "Composer")
Mit EDIT (Bearbeiten) /alles markieren, und die Schriftgröße
auf 10 oder 12 setzen, Datei schließen, und schon ist es auch
am Bildschirm gut lesbar! Viel Spaß &
Erfolg!
Befunde
1. Wiederholungsanzahl steigt mit Anstieg der Silben
- bei 7 Items nur 1 Wiederholung nötig
(Aufmerksamkeitsspanne)
- Methode des seriellen Lernens
- Ergebnis: Lernzeit und Zahl der
benötigten Wiederholungen
2. Kontiguität : Relevanz des zeitlichen
(und räumlichen) Zusammenhangs paarweise auftretender Items
- Häufigkeitstheorie des Gedächtnisses
- linearer Zusammenhang zwischen Wiederholungshäufigkeit
und Lernerfolg
- Aufsagen
langer Listen und nachfolgend Fehlerüberprüfung
- Ersparniswert: Reduzierte
Zeit für Wiedererlernen
- errechnet
als 100 x ((ursprüngliche Lernzeit - Wiedererlernzeit)/urspr.Lernzeit
= Wert in %
3. Wie lange bleibt Gelerntes in der Erinnerung?
- starkes Abfallen der Behaltensleistung
innerhalb der ersten 3 Stunden (Retentionsintervall)
- immer noch stark, aber abnehmend
bis 2 Tage
- Retentionsfunktion der Vergessenskurve
ist negativ beschleunigt
- Methode: erlernte Listen nach 19
Min bis 31 Tagen abgefragt und Ersparniswert errechnet
Kritik : rapides Absinken am Anfang bedingt durch
proaktive Hemmung.
unzulässige Reduktion durch Betonung des rein mechanischen Lernens
Vernachlässigung der Suche nach Sinn und vorh. Wissens
Gestaltpsychologen kritisieren: das Ganze ist größer als die
Summe seiner Teile
Assoziationsgesetze
Ähnlichkeit und Kontrast
Orange/Zitrone Licht/Schatten
Kausalität
Wunde>>>Schmerz
Kontiguität
räumliche und zeitliche Nachbarschaft
| Auslassungen | unwichtige/verwirrende Details |
| Rationalisierung | Einfügen neuer Info als Erklärung |
| Dominante Einzelheiten | Orientierung für die Rekonstruktion |
| Transformation von Einzelheiten | Abänderung auf bekannte Terminologie
(Kanu >>Boot , Autotyp auf Hersteller) |
| Transformation der Reihenfolge | Stimmigmachen der Geschichte |
| Bedeutung der Einstellungen | Erklärung der eigenen Einstellung und dann Dramatisierung der Handlungsablaufes in entsprechende Richtung |
- Konstrukt des kognitiven Schemas
- hierarchisch geordnete, organisierte
Wissensstruktur
- Annahme: Gedächtnisinhalte
sind nach semantischen Kriterien geordnet
- Gedächtnisspur
- Stärkung durch Wiederholung
- Reaktivierung beim Infoabruf
- verblassen, zerfallen, werden verdrängt
- ikonisches Gedächtnis im visuellen sensorischen
Gedächtnis
| Experiment: | Präsentation einer Buchstabenmatrix mit 9-12 Items
für 50 ms
Methode der Gesamtwiedergabe:
|
|||||||||
| Ergebnis: | können nur 4-5 Buchstaben wiedergeben
- Folge begrenzter Kapazität des unmittelbaren Gedächtnisses |
|||||||||
| Methode der Teilwiedergabe:
Wiedergabe einer einzelnen Reihe Hinweiston bezeichnet die wiederzugebende Reihe (oben/Mitte/unten) unregelmäßige Variation, keine Antizipation der Reihen möglich |
||||||||||
| Ergebnis: | konnten die Buchstaben jeder Reihe wiedergeben
alle Reihen sind im Gedächtnis verfügbar, wiedergegeben können aber nur 4-5 pro Versuch |
Variation des Versuchs:
Verzögerung zwischen Stimulus und Wiedergabe-Signal (ISI=Interstimulusintervall)
Ergebnis:
je später das Signal, umso weniger korrekte Buchstabenennung
Folgerung:
Information über die gesamte Anordnung (mentaler Schnappschuß)
bleibt nur für 250-500 ms
erhalten und zerfällt dann, bevor korrekte Wiedergabe vollständig
möglich ist
|
|
Ergebnis:
ohne zeitliche Verzögerung: 65-80% Trefferquote
graduelle Abnahme der richtigen Wiedergabe mit zunehmender Zeitverzögerung
nach 250 ms keine Wiedergabe mehr möglich
Folgerung: maximale Speicherdauer des ikonischen Gedächtnisses
250 ms
SPERLING (1960) und MERIKLE (1980)
- selektives Berichten von Buchstaben oder Zahlen
- Sperlings Versuch:
Präsentation von Zahlen und Buchstaben
Gesamtwiedergabe
soviele wie möglich benennen
Teilwiedergabe
nur die Kategorie benennen (Zahl/Buchstabe), die mittels Signalton abgefordert
wurde (Buchst.oder Zahl)
Hypothese: Leistungsvorsprung bei Teilwiedergabe, wenn Kategorisierung im ikonischen Gedächtnis stattfindet
Ergebnis: Wiedergabequote unter beiden Versuchsbedingungen gleich
Folgerung:
keine Kategorisierung im ikonischen Gedächtnis
Sperling:
keine Ungewißheit hinsichtlich Gesamtwiedergabe
bei Teilwiedergabe bestand dann Ungewißheit hinsichtlich des Hinweisreizes
Merikle:
erst bei Präsentation des Stimulus konnten Vpn die Wiedergabeaufgabe
zuordnen
in allen 3 Bedingungen Ungewißheit bzgl. der Wiedergabe
VARIABLEN für TEILWIEDERGABE/TEILBERICHT
- in SPERLING´S Paradigma
- Helligkeit, Position, Farbe, Größe, Umfang
sind präkategoriale (rohe, unverarbeitete) Info
- Buchstaben/Zahlen sind Kategorien
- nur Teilberichtsvorteil bei präkategorialen Variablen
(Kategorisierung erfordert Zeitaufwand)
Darwin, Turvey & Crowder (1972)
| Experiment | 3 Listen mit Buchstaben und Zahlen werden schnell über
Stereo-Kopfhörer vorgelesen
1 Liste links,. 1 Liste rechts, 1 Liste beide Ohren |
| Gesamtwiedergabe | benenne so viele Items wie möglich |
| Teilwiedergabe | Items der jeweils bezeichneten Listen 1 bis 3 sollen
genannt werden
Signalreiz durch Licht zeitliche Verzögerung 0,1,2,3,4 Sekunden |
| Ergebnisse | Vorsprung bei Teilwiedergabe bis zu 2 Sekunden
ab 4 Sek, kein Vorsprung mehr |
| Folgerung | auditive Info überdauert nur 2 Sekunden (Echospeicherung) |
Echoischer Speicher für Sprachwahrnehmung
Sprachliche Reize werden zeitlich begrenzt dargeboten
(hingegen können visuelle Reize länger präsent sein)
Überbrückungsfunktion, um am Ende des
Wortes den Anfang noch zu wissen
Sind nur präkategoriale Infos enthalten?
bei gleichem experimentellem Aufbau ergibt sich bessere
Teilwiedergabe vs. Gesamtwiedergabe bei Kategorisierung
Folgerung: auch kategoriale Info enthalten
| Experiment | Präsentation von 3 Konsonanten oder 3 sinnlosen
Silben
mit Gedächtnistrommel Nennung einer Zahl, von welcher aus rückwärts gezählt werden mußte (Ablenkungsaufgabe um Memorieren zu verhindern) Hinweisreiz beendet Zählen und fordert zur Wiedergabe der Buchstaben auf Variation des Retentionsintervalles (Zählzeit) Vielzahl an Versuchsdurchgängen (Anlaß zu Kritik, siehe "proaktive Hemmung"!) |
| Ergebnis | Behaltensniveau nimmt graduell mit der Zeit ab
Retentionsintervall 3 Sek. >>> 50% richtige Items Retentionsintervall 18 Sek. >>>weniger als 10% richtige Items genannt |
| Folgerung | Speicherzeitgedächtnis beträgt 15-18 Sek. |
- Kapazität beträgt 7 +/- 2 Einheiten
(magic number 7 + or - 2)
- Erinnerungsleistung steigt, wenn gruppiert/organisiert
werden kann
- Rekodierungseffekt, genannt CHUNKING (Klumpenbildung)
- nicht die Kapazität des KZS steigt, sondern die
Anzahl behaltener Items (Kategorien, Buchstaben oder Klumpen in Gruppen)
- Optimierung der KZS-Leistung z.B: 58 12 15 19
2 oder 581 215 192
- es gibt keine genaue Definition von Chunks
Elaboration: Verknüpfung
von Gedächtnisinhalten
| Theorie des zeitlichen Zerfalls | Vergessen ist ein passiver Prozess
Information schwächt sich spontan ab und zerfällt (Spurenzerfallstheorie) |
| Interferenztheorie | Übereinanderlagerung von Ereignissen |
| proaktive Hemmung | Abruf gelernter Info wird gestört durch Info, die
VOR
dem Lernereignis eintrat
(neue Rufnummer nicht gelernt, alte Rufnummer präsent) |
| retroaktive Hemmung | Abruf gelernter Info wird durch NACHFOLGENDE
Info gestört
(Rufnummer wählen, während andere Rufnummer vorgesagt wird) |
- experimenteller Nachweis proaktiver Hemmung
| Experiment: | Brown-Peterson Paradigma
Variation: 3 Gruppen mit Retentionsintervallen 3,9 und 18 Sek. ANSCHLIESSEND (!siehe oben) nur noch 2 Folgeversuche (bei BP war das eine unbestimme Anzahl an Folgeversuchen, das Gesamtergebnis wurde gemessen!) |
| Ergebnis | beim 1.Versuch kein Vergessen, auch nicht nach 18
Sek.
beim 2. und 3.Versuch stärkeres Vergessen |
| Folgerung | Vergessen war nicht durch das Verstreichen der Zeit,
sondern durch proaktive Hemmung beeinflusst
dies verfälscht das Ergebnis von Brown und Peterson & Peterson |
Diskriminationshypothese
- niedrige proaktive Hemmung bei hoher Unterscheidbarkeit
der Items
GARDINER,CRAIK & BIRTHWHISTLE
(1972)
Aufhebung proaktiver Hemmung durch Abrufreiz
| Experiment | Zierblumen waren zu erinnern
3 Durchgänge im 4.Durchgang wurden Wildblumen genannt, aber Vpn in Kontrollgruppe wurden nicht über Kategoriewechsel informiert in der Experimentalgruppe wurde der Wechsel benannt |
| Ergebnis | zunächst abnehmende Erinnerungsleistung in beiden
Gruppen
in der Experimentalgruppe wurde durch den Hinweis auf Kategorienwechsel die proaktive Hemmung aufgehoben, und das Erinnerungsniveau stieg deutlich an |
| Folgerung | Proaktive Hemmung resultiert (teilweise) aus Problemen beim Abrufen von Infos |
| Experiment | Sondierverfahren
Vorlesen einer Liste mit 16 Zahlen eine der in der Liste enthaltenen Ziffern gilt als Sondierziffer und wird zusammen mit einem Signal genannt zu Benennen ist die auf die Sondierziffer (erstmals) folgende Zahl Variation der Sondierzifferposition z.B. vorgelesene Ziffernfolge 7 3 5 8 2 4 6 7 8 1 2 8 9 5 6 4 Prüf/Sondierziffer 2 Antwort: 4 |
| Ergebnis | je früher die Sondierziffer am Listenanfang stand, umso eher wurde die gesuchte Ziffer vergessen |
| Folgerung | Anzahl folgender Ziffern determiniert das Ausmaß an Interferenz und Vergessen , also retroaktive Hemmung |
- Nachweis, wenn retroaktive Hemmung und Memorieren nicht
möglich (ausgeschaltet)
| Experiment | Memorieren ausgeschaltet:
Vpn wird erzählt, es gehe um "Vergessensleistung" Präsentation eines Hintergrundgeräusches Vpn soll Töne entdecken (weiteres Ausschalten von Memorieren: Ablenken) Suchaufgabe 40 Sek Präsentation von 5 Konsonanten für 2,5 Sek diese sollen laut genannt und dann "vergessen" werden Weitergehen in Ton-Entdeckungs-Aufgabe |
| Ergebnisse | kurze zeitliche Verzögerung der Buchstabenpräsentation
(12,5 Sek)
es wurden 20% vergessen lange zeitliche Verzögerung der Buchstabenpräsentation (32,5 Sek) es wurden 30% vergessen Vergessen soll daher auf zeitlichem Verfall beruhen, weil retroaktive Hemmung ausgeschaltet wurde. |
Speicherdauer ohne Wirkung pro-. oder
retroaktiver Hemmung
- bei Brown-Peterson waren schon nach 18 Sek. 90% vergessen
- Shiffrin &Cook schalten pro- und retroaktive Hemmung
aus, und weisen Spurenzerfall für das Vergessen nach, welcher bei
einem
Retentionsintervall von 32,5 Sek. nur 30% ausmacht
- die im BP-Paradigma postulierte KZS-Spanne von 15-18
Sek wird also weit überschritten
- aufgrund der Interferenzeffekt-Problematik, die man
wohl nie ganz ausschließen kann,
sollten beide Faktoren (Interferenz und
Spurenzerfall) berücksichtigt werden
- Ist der Abruf aus dem KZS ein serieller erschöpfender
Suchprozess?
| Experiment | Gedächtnissuchaufgabe
Reihen von Ziffern (Gedächtnisreihen) werden für 1-2 Sek präsentiert Gedächtnisreihe variiert von 1-6 Items 2 Sek. nach der Reihe wird eine Testziffer gezeigt und Vpn soll per Knopfdruck angeben, ob diese in der Reihe enthalten war, oder nicht |
| Ergebnisse | mit der Anzahl der Ziffern steigt die Reaktionszeit |
| Folgerung | mit steigender Ziffernzahl müssen mehr Items verglichen
werden
Vergleich erfolgt serial, da bei parallelem Vergleich kein Reaktionszeitanstieg stattfände Durchmusterung ist exhaustiv (erschöpfend) und nicht abbruchfähig/selbstbeendend sonst wäre Reaktionszeit bei "Nein" immer höher, da man erst am Ende der Reihe definitiv mit "Nein" antworten könnte (und das dauert zwangsläufig immer länger) |
| Übungseffekte | Zielsuche wird mit zunehmender Übung automatisiert
und läuft parallel
nur bei ungeübten Vpn serieller Verlauf |
| Seriale Positionseffekte | erste und letzte Position des Items in der Reihe werden besser erinnert als mittlere Positionen |
| Wiederholungseffekte | bei mehrmaligem Vorkommen des Items in der Reihe ist die Reaktionszeit kürzer, als wenn das Testitem nur einmal vorkommt. |
- bei mittlerem Bekanntheitsgrad wird jedes Item
serial und erschöpfend mit jedem Item im Gedächtnis verglichen,
was langsamer vor sich geht
- serieller Durchmusterungsprozess
Kriterium für den Einsatz des Suchprozesses ist der Bekanntheitsgrad des/der Items
Dies erklärt den Wiederholungseffekt, betont die Flexibilität menschlicher Infoverarbeitung.
Verarbeitungssystem ist eine Gruppe von 3 Gedächtnisstrukturen
| sensorischer Speicher | Speicherdauer 250-500 ms
Kapazität 4-5 Items Spurenzerfall |
| Kurzzeitspeicher (KZS) | Speicherdauer 15-18 Sek
Kapazität 7 +/- 2 Chunks zeitlicher Verfall Interferenzzerfall |
| Langzeitspeicher (LZS) | Speicherdauer: lange Zeit
Kapazität: unbegrenzt Abrufproblematik gespeicherter Information |
Kontrollprozesse steuern den Abruf und transferieren
Informationseinheiten.
Flexibles Verarbeitungssystem
2 wichtigste Kontrollprozesse
| Wiederholung | bewahrt Items im KZS und transformiert Items vom KZS in den LZS |
| Kodieren | Transformation im KZS zur leichteren Speicherung im LZS |
Unterscheiden sich KZS und LZS durch die Art der Codierung?
CONRAD (1964) Kodierung im KZS
| Experiment | Hintergrundrauschen
akustische Präsentation von 6 Buchstaben alle 3/4 Sek Vpn sollten die gehörten Buchstaben aufschreiben |
| Ergebnis | Verwechslung zwischen ähnlich klingenden
Buchstaben
keine Verwechslung bei ähnlich aussehenden Buchstaben |
| Folgerung | verbale Enkodierung
KZS behält seine Infos in verbaler Form: phonemische Codes |
SACHS (1967) Kodierung im LZS
| Experiment | Vorlesen von Geschichten
Unterbrechung ohne Vorankündigung nach Retentionsintervall 0 und 160 Silben folgte Testsatz - Testsatz identisch, oder semantisch oder syntaktisch verändert Vpn sollten bestimmen, ob der Satz aus dem Text stammte |
| Ergebnis | korrekte Antwort, wenn Testsatz unmittelbar nach dem
entsprechenden Satz
Erinnerten aber nur kurze Zeit die genaue Wortfolge nach 160 Silben erkannten Vpn nur den semantisch veränderten Satz als falsch Es wurde also die Bedeutung des Satzes, aber nicht seine exakte Syntax erinnert |
| Folgerung | Im LZS sind semantische Infos enthalten: semantische Kodierung |
Die beiden vorstehenden Experimente lassen eine unterschiedliche Codierung annehmen.
Hingegen sprechen gegen eine unterschiedliche Codierung:
- im KZS sind phonemische UND semantische Infos
verfügbar: mehrere Codierungsmöglichkeiten
- im LZS sind auch Klangmerkmale nachweisbar
(z.B.
Stimmen, Töne)
- Replikationen/Gegenversuche zu Sachs zeigen auch nach
längeren Retentionsintervallen Erinnern von Satzstrukturen
2 Komponenten dieses Effektes
| Primacy Effect ( Primateffekt) | Output des LZS | hohe Retentionsgradausprägung bei den ersten paar Items |
| Recency Effect (Rezenzeffekt) | Output des KZS | hohe Retentionsgradausprägung bei den letzten paar Items |
| Experiment | Liste von 15 Wörtern
Retentionsintervall 0,15,30 Sek Vpn führen Zählaufgabe zur Unterdrückung des Memorierens durch |
| Ergebnis | Höhe des Rezenzeffektes hängt von der Dauer
des Retentionsintervalls ab
kein Rezenzeffekt nach 30 Sek (Speicherdauer des KZS nur 15 Sek) keine Beeinflussung des Primateffektes durch Retentionsintervallvariation |
| Folgerung | letzte paar Items sind im KZS enthalten,
werden deshalb schnell vergessen erste paar Items werden im LZS bewahrt und nicht vergessen Durch die häufige Repetition der Liste werden die esten Items öfter wiederholt und damit an das LZG weitergegeben die letzten Items werden zuerst wiedergegeben(bevor sie wieder vergessen sind) Schlechte Behaltensleistung für den mittleren Bereich |
Kritikpunkte gegen ein Multi-Speicher-Modell
Postulat des Multi-Speicher-Modells Belege/Kritik
| Kodierung der Information | KZS enthält nur phonemische und der
LZS enthält nur semantische Infos |
es werden auch visuelle Kodierungen nachgewiesen
auch im KZS können semantische Infos enthalten sein im LZS können nicht nur semantische Codes enthalten sein, da ohne phonemische Codes kein Sprachverständnis möglich wäre Individuen sind flexible Codierer |
| Langfristige Rezenzeffekte | Rezenzeffekte sollen nach 15 Sek. nicht mehr auftreten | Rezenzeffekte wurden auch über längere Zeit beobachtet |
| Kapazitätsbegrenzung | Speicherungsvermögen bei 7+/- 2 Chunks | keine genaue Definition von "chunk"
Kognitive Grenzen werden durch Verarbeitungsfähigkeit gesetzt, und nicht durch Speicherungsfähigkeit |
| Transfermechanismus
vom KZG ins LZG |
durch Wiederholung | auch häufige Wh führt nicht immer zu langfristiger
Retention
a.erhaltende Wh : unmittelbares Erinnern ohne langfristige Retention b: elaborative Wh: Verknüpfung wiederholter Items Verbesserung langfristiger Retention |
- Modell der Verarbeitungsebenen (1-Speicher-Modell)
- Postulierung nur eines Gedächtnissystemes mit
unterschiedlichen Stufen/Ebenen, die unterschiedlich stabile Codes produzieren
- Verarbeitungstiefe bedeutet ein höheres
Ausmaß an konzeptueller und semantischer Analyse (funktionelle Erklärung)
Verarbeitungsebenen
- semantische (am Tiefsten)
- Etikettierung (mittel)
- Analyse physikalischer Merkmale (flachste Ebene)
Lernen durch Durchlaufen möglichst vieler Verarbeitungsebenen,
dies erfordert Zeit.
>> semantische Info wird besser behalten, als phonemische
Begrenzungen des Fassungsvermögens aufgrund begrenzter
Verarbeitungskapazität (und nicht begrenzter Speicherkapazitäten)
CRAIG & TULVIG (1975)
| Experiment | Methode des beiläufigen Lernens (inzidentielles
Lernen)
- VPN erhalten andere Aufgabe, als die eigentlich wichtige - Aufgabenlösung ohne Lernabsicht Präsentation einer Frage und 200 ms ein Wort Frage über das Wort sollte schnell beantwortet werden Fragenstellung führte zu best. Enkodierung (physikalisch,phonemisch,semantisch) (=unterschiedliche Verarbeitungstiefe) Nach Orientierungsaufgabe nicht angekündigter Behaltenstest (Retentionstest) - originale, falsche Wörter, Distraktoren Vpn sollten angeben, welche dieser Wörter nun vorher präsentiert worden waren |
| Ergebnis | Kodierungsebene bestimmte das Retentionsniveau
beste Retention bei semantischer Codierung, mittel bei phonemisch, schlecht bei physikalisch |
Kritik am Verarbeitungsebenenansatz
Annahme des Modells wird kritisiert, weil
| Stufen und Abfolgeprozesse -phonemische Codierung erfolgt vor semnatischer | semantische Codierung erfolgt auch ohne Umweg
über phonemische Codierung
Stroop-Effekt: Das Wort einer Farbe (ROT) in einer anderen Farbe geschrieben erzeugt einen Konflikt beim Lesen, dabei wird die semantische Bedeutung schneller als die phonemische verarbeitet (Farbe kann erst im Aufmerksamkeitsprozess verarbeitet werden) |
| Phonetisch und strukturell dargebotene Info wird nicht semantisch verarbeitet | semantische Verarbeitung ist sogar vorrangig (Lesen) |
| Tiefere Verarbeitung führt zu besserem Behalten | Phonemische Codierung (Reime) kann sogar zu besserem Behalten führen |
| Wiedererkennungstest | inadäquat |
| Trennung der Wiederholungsformen | keine empirische Definition der Verarbeitungsebenen
vorhanden
Unklar, wann welche Wh-Form eingesetzt wurde |
Elaboriertheit des Encodierens:
- Ausmaß der Verbundenheit und Organisation der Items untereinander
(Geschichte von verbundenen Vokabeln)
- Ausmaß der Kombination semantischer Attribute: Frau, unverheiratet
>>Jungfrau
Die Verarbeitungsebene ist dabei nicht relevant.
Elaborierte Verarbeitung erleichtert Retention unabhängig
von physikalischer, phonemischer oder semantischer Analyse.
Je größer der semantische Kontext, desto
elaborierter die Encodierung.
CRAIG & TULVIG (1975)
| Experiment | Passen kurzfristig präsentierte Worte (Uhr) in verschiedene
Sätze:
* er ließ die....fallen * der alte Mann humpelte durchs Zimmer und hob die wertvolle...auf Komplexerer Satz erfordert eine reichhaltigere, elaboriertere Encodierung, da der semantische Kontext größer ist |
| Ergebnis | Retentionsniveau stieg mit der Höhe der Elaboriertheit der verarbeiteten Wörter an |
| Folgerung | Retention hängt von der Elaboriertheit der Verarbeitung ab, und weniger von der Verarbeitungsebene |
KEPPEL & UNDERWOOD
(1962) Erweiterung des Versuchs von Brown&Peterson
GARDINER,CRAIK & BIRTHWHISTLE (1972)
Gartenblumen und Wildblumenexperiment
TULVING & PSOTKA (1971)
Retentionsleistung konnte verbessert werden, wenn retroaktive
Hemmung durch vorgegebene Abrufreize ausgeschaltet werden konnte
Vergessen beruht nicht auf Spurenzerfall sondern auf
Fehlen eines effektiven Abrufreizes bzw. retroaktiver Hemmung
Effekt der Kontextspezifität
Gleiche Lern- und Prüfungsumgebung begünstigt
positiven Infoabruf, bei Nichtkongruenz kann es zu fehlerhaftem Infoabruf
kommen
- auch ein vorgestellter Kontext begünstigt
den Infoabruf
- Urlaubsfotos
- Phänomen des zustandsabhängigen Abrufens/Lernens
- im Zustand der Intoxikation encodierte Info wird
besser wiedergegeben, wenn die Person sich bei Wiedergabe im gleichen Zustand
befindet
- emotionaler internaler Kontext - hohes Wiedergabeniveau
bei Abruf in derselben emotionalen Stimmung
- Kodierung wird vom Kontext beeinflußt
- auch beiläufige und intentional verarbeitete Kontextinfos
können effektive Abrufreize darstellen
| Experiment | Erlernen von Listen mit Zielwörtern
Zielwort wurde mit assoziiertem Kontextwort oder Reizwort präsentiert 1. Wiedergabeverfahren: Reizwort >>> Zielwort 2.Wiedergabeverfahren: abweichende Hinweisreize |
| Ergebnis | Assoziate und Zielwörter brachten nur bessere Wiedergabe,
wenn gleichzeitige Encodierung und Abruf erfolgte
Stärke des Abrufreizes alleine hatte nur niedrigen Effekt Starke Effekte nur bei Passung von Encodierungs- und Abrufreiz |
| SMITH (1979) | |
| Experiment | 2 Gruppen lernten im selben Raum Listen von Substantiven
Dann gingen Vpn in 2.Raum, den sie zeichnen sollten Dann Aufenthalt im Warteraum Dann Abfragen der Substantive der einen Gruppe in dem Raum, in welchem diese gelernt hatten Abfragen der 2.Gruppe in dem anderen Raum |
| Ergebnis | Die Gruppe mit konvergentem Kontext konnte 25% mehr Wörter reproduzieren |
Ein vorgestellter Kontext begünstigt den Infoabruf
ebenso, wie ein realer.
Generieren eines mentalen Kontextes fungiert beim Reproduzieren
als mentaler Abrufreiz
Phänomen des Vergessens ist eher ein Aktivierungsproblem
(auf der Zunge liegen)
Speichern von Hinweisreizen beim Lernen erleichtert Infoabruf
Organisation der Information hat nur positive Wiedergabeeffekte, jedoch keine Wiedererkennungseffekte
Nach dem Modell von Anderson & Bower liegen der Wiedergabe
(dem Generieren) von Wörtern 2 Prozesse zugrunde,
dem Wiedererkennen aber nur 1 Prozess.
Bei der Wiedergabe werden Generierungseffekte
(systematisches Suchen im Gedächtnis, Abruf potentieller Zielwörter)
UND Prozesse des Wiedererkennens (Evaluation von Kontextinfo,
die zusammen mit dem Zielwort abgerufen wurde) aktiv.
Dieser Prozess dauert bis zur Reproduktion der betreffenden
Information.
Wiedererkennen ist jedoch nur als 1 Prozess zu verstehen.
Demzufolge sollten Vpn Wörter, die sie nicht erkannt
haben, auch nicht reproduzieren können.
Es wurden aber trotzdem anfänglich nicht erkannte
Wörter anschließend richtig wiedergegeben: Wiedererkennungsfehler
- Erklärung für den Wiedererkennungsfehler
- es werden neben der Encodierung des Items auch Kontextmerkmale
encodiert.
Wörter werden daher nicht als einzelne Items, sondern
zusammen mit semantischen, phonemischen und anderen Attributen encodiert.
Beispiel: "JAM" wird als Nahrungsmittel encodiert,
und ist in anderem Kontext (traffic jam) nicht abrufbar, da es dort keine
nahrungsspezifischen Merkmale auslöst.
Entscheidend ist also die Kontextspezifität:
Wiedergabe kann so möglich sein, wenn Wiedererkennen vorher nicht
möglich war.
Reproduktion ist die exakte, wortwörtliche Wiedergabe
einer Information
Erinnern ist als Prozess der Bildung von Gedächtnisspuren
zu verstehen
Assoziationisten: passiver Prozeß der Aktivierung
gespeicherter Infos
tritt auf
in Laborversuchen zur Behaltensleistung
in Alltagssituationen (Witze, Zitate,Gedichte, Schule)
beim wortwörtlichen Sprachlernen: Vokabeln
Rekonstruktion ist bedeutungsähnliches Wiedergeben
von Infos.
Determination durch Erwartungen und Erfahrungen der Person.
Abrufen ist ein rekonstruktiver Vorgang.
Es ist ein aktiver Prozess der Rekonstruktion von Infos,
bei dem häufig eigene neue Infos hinzugefügt werden
tritt auf
unter erwartungswidrigen Bedingungen, Erinnerung konfligiert
mit aktueller Erwartung
wenig Details über Originalgeschichte bekannt, aber
konkrete Vorstellungen über deren Ablauf
Bilderinnerung durch Rekonstruktion im Rahmen der Erwartungen
(fragmentarisches puzzlen)
Augenzeugenbericht: subjektive Rekonstruktionen
| Experiment | Vpn lasen 2 unterschiedliche Versionen einer
Geschichte
sie dachten, ihre Reaktion darauf würde untersucht 8 Minuten nach der Lektüre erhielten diese eine erwartungskonforme oder eine erwartungswidrige Schlußinformation über den Ausgang Nach 2 Tagen, 3 oder 6 Wochen sollten die Vpn die Geschichten wiedergeben |
| Ergebnis | Vpn in der erwartungswidrigen Bedingung verfälschten
die Geschichte systematisch
Anpassung an die subjektiven Erwartungen Es kam zu Hinzufügen neuer Ereignisse und Verdrehungen in Richtung auf die Erwartungen der Vpn Vpn waren von Richtigkeit der Wiedergabe überzeugt |
Andere Experimente bestätigten:
| Bartlett (1932) | Bei Widergabe einer Sage der nordamer. Indianer (durch
weiße Angloamerikaner) kam es zu Auslassungen und
Anpassung an die eigenen kulturellen Erwartungen. Verdrehungen zugunsten eigener Überzeugugen und Nutzung von Alltagswissen bei der Rekonstruktion |
| Carmichael et.al 1932 | Rekonstruktion von Bildern erfolgte anhand von verbalen Bezeichnungen(Abrufreize) |
| Loftus & Palmer 1974 | Art der Fragestellung: "Autos stießen zusammen"/"Autos
krachten zusammen"
führte zu höherer Geschwindigkeitsschätzung bei "krachten" |
| Münsterberg 1908 | 26-81% falsche Augenzeugenberichte |
Das Modell des hierarchischen Netzwerks befasst sich mit Repräsentationen und Verarbeitung semantischen Wissens
1.Semantisches Wissen ist ein Netzwerk miteinander
verbundener Begriffe
Begriffe werden als Knoten verstanden
Diese sind hierarchisch geordnet
je höher die Inklusivität eines
Begriffes, umso höher ist seine Hierarchieposition (Tier über
Vogel, da Vogel im Oberbegriff Tier enthalten)
Jeder Knoten hat drei Beziehungstypen
- Subbeziehungen
- ISA-Beziehungen ( "is a"
im Sinne von "ist-ein", also "für")
- Eigenschaftsrelationen ("hat"
als Relation zwischen Vogel und Flügel)
2.Kognitive Ökonomie:
besonders ökonomische Speicherungsart der Eigenschaften:
jede ist nur 1x repräsentiert, und zwar auf höchstmöglichem
Niveau
Da jede Eigenschaft und ihre Attribute nur 1x gespeichert
werden muß, können Kapazitäten freigehalten werden
- wie bei PC-Programmen, in welche das Modell auch
implementiert wurde.
3.Semantisches Wissen wird hoch organisiert und mit
internen Relationen gespeichert.
Hierdurch werden Begriffsbeziehungen erkennbar (Vögel
und Tiere)
Interne Verbindungen definieren Suchwege im Gedächtnisspeicher.
4. Ebenenwechsel innerhalb der Hierarchie erfordert
Zeit
je mehr Ebenen durchsucht werden, umso mehr Zeit benötigt
man zur Verifikation eines Satzes.
Verifikation besteht oft aus Inferenzprozessen, also
der Suche nach miteinander verbundenen Wegen
Es dauert tatsächlich länger, den Satz "Ein
Kanarienvogel ist ein Tier" zu verstehen, als den Satz "Ein Kanarienvogel
ist ein Vogel"
"Tier" liegt 2 Ebenen, "Vogel" jedoch nur 1 Ebene über
dem Wort "Kanarienvogel"
Widersprüchliche Befunde zum Modell:
1."Bär ist ein Tier" wird schneller erkannt, als
"Bär ist ein Säugetier"
Statements werden umso schneller verifiziert, je enger
die Begriffsbeurteilung (Häufigkeitseffekt)
Dies ist ein Widerspruch zu Annahme 4
2. Manche Kategoerien werden schneller verifiziert, als
andere, selbst, wenn beide Kategorien gleichweit vom übergeordneten
Begriff
entfernt sind: "Rotkehlchen ist ein Vogel" wird schneller
verifiziert, als "Ein Huhn ist ein Vogel"
Diese "Typizität" der Begriffe beeinflußt
die Reaktionszeiten sehr stark. (Ein R. ist ein typischerer Vogel als ein
Huhn)
Solche Typizitätseffekte werden vom Modell nicht
berücksichtigt.
Grenzen des Modells werden aufgrund solch fließender
semantischer Begriffsgrenzen sichtbar
Dies ist ein Widerspruch zur Annahme 1 und 4
3 .Langsame Reaktionszeiten traten ungeachtet des
Abstandes in der Hierarchie auf, wenn Nomen und Eigenschaft nur schwach
miteinander verknüpft waren. Dies ist ein Widerspruch zur Annahme
einer hierarchischen Netzwerkstruktur und der kognitiven Ökonomie.
Struktur nach dem Prinzip der semantischen Entfernung/Relation
Begriffe werden weiter als miteinander verbunden gesehen,
je
kürzer die Verbindung umso enger ist die semantische Relation
Es bestehen "ISA"-Verbindungen, die hierarchische
Zuordnungen angeben.
Es werden aber auch "ISNOTA"-Verbindungen angenommen,
die z.B. anzeigen, daß eine Fledermaus kein Vogel ist.
Im ursprünglichen Hierarchiemodell wurde hierfür
eine relativ lange Suchzeit angenommen
Da Vpn jedoch relativ schnell zur Entscheidung kommen,
wenn ein Satz falsch ist, vermutet man eine Inklusion einer
"isnota"-Verbindung, was eine schnelle Falsifikation
ermöglicht.
Solches Falsifikations-Wissen wird als vorgespeichertes
Wissen bezeichnet.
Annahmen über die Infoverarbeitung:
1.
a. Verbindungswege unterscheiden sich in Zugänglichkeit oder Stärke
b. Weniger Zeitbedarf beim Durchqueren eines starken (vs.
schwachen) Weges
c. Zugänglichkeit und Stärke hängt von der Nutzungshäufigkeit
der Verbindung ab
- Begriffe, die häufig miteinander auftreten/aufgetreten sind, haben
eine starke und damit leicht zugängliche Verbindung
2.
Verarbeitung eines Begriffes dehnt die Aktivierung auch auf benachbarte
Begriffe aus.
Dies beschreibt den Mechanismus semantischer Kontexteffekte, wie z.B. dem
Lesen
| Experiment | Vorlesen einer Liste von Wörtern
Angabe, ob Wort lexikalisch richtig |
| Befunde | semantischer Instruktionseffekt:
Reaktionszeit ist abhängig von vorher verarbeiteten Items "Butter" wurde schneller klassifiziert, wenn vorher "Brot" zu bestimmen war (vs. wenn vorher "Pflegerin" zu bestimmen war) Verarbeitung des vorangehenden Wortes instruiert also das kognitive System hinsichtlich der Verarbeitung des folgenden, semantisch verbundenen Wortes |
Dies stützt das Modell der sich ausbreitenden
Aktivierung, da die Aktivierung des einen Begriffes sich auch auf benachbarte
Begriffe ausdehnt.
Somit konnte der "Schwellenwert" für die Aktivierung
"Butter" schneller erreicht werden, wenn "Brot" voranging, als wenn der
nicht benachbarte Begriff "Pflegerin" aktiviert wurde.
Während das Netzwerkmodell (der sich ausbreitenden
Aktivierung) von Wissensspeicherung in Form von Relationen ausgeht, sieht
das Merkmalsmodell eine Neubildung des Wissens aus vorhandenen Informationen
im Gedächtnis
Wörter werden über Merkmale repräsentiert,
diese Merkmale sind semantisch definiert
Ohne solche Merkmale kann kein Begriff kategorisiert
werden
Weiters bestehen charakteristische Merkmale, die aber
nicht wesentlich sind
Der Vergleichsprozess soll 2-stufig sein:
| 1.Stufe | Merkmalsähnlichkeit beider Nomina werden verglichen/
definierende und charakteristische Merkmale
Merkmalsähnlichkeit des "Bären" mit dem "Säugetier", und nicht Vergleich aufgrund vorhandener Beziehungen zwischen den Beziehungen Bei hoher Merkmalsähnlichkeit erfolgt schnelle "ja"-Reaktion, je ähnlicher, umso schneller |
| 2.Stufe | bei mittlerer Merkmalsähnlichkeit werden definierende Merkmale verglichen |
Typizitätseffekte sind damit erklärbar - bei unähnlichen und sehr ähnlichen Begriffen folgt eine sehr schnelle Reaktion
Erklärung für Fehler bei der Verifizierung
von Sätzen
Wird eine "Fledermaus" fälschlich aufgrund gemeinsamer
Merkmale als "Vogel" klassifiziert, ist dies Ergebnis einer vorschnellen
"richtig"-Reaktion der 1.Stufe
1. Unterscheidung zwischen definierenden und charakteristischen
Merkmalen
Definierende Merkmale definieren manchmal nicht die
Zugehörigkeit zu einer Kategorie
Welche Merkmale sind die definierenden?
Natürliche Kategorien besitzen evtl. keine definierenden
Merkmale für alle oder die meisten Kategoriemitglieder
2.Divergente Forschungsergebnisse
Hypothesen über die Falsifizierungselastizität
(welche Hypot. wird leichter, welche weniger leicht falsifiziert?) konnten
nicht bestätigt werden.
Individuen verfügen vermutlich über eine
Vielfalt von Fasifikationsstrategien, davon ist der Merkmalsvergleich nur
eine
3.Obwohl bei der Verifizierung richtiger Sätze und
der Falsifizierung falscher Sätze sehr wenig Fehler beobachtet werden,
zeigt sich
ein deutlicher Effekt der semantischen Relation bei
der Verifizierung wahrer Sätze.
4.Können Bedeutungen überhaupt mit semantischen
Merkmalen angemessen beschrieben werden?
Wird zum Bedeutungsverständnis eines Begriffes
ein
Wort unter logischen Gesichtspunkten in Merkmalsgruppen zerlegt?
beschreibt eine Beziehung zwischen zwei oder mehr
Begriffen und kann wahr oder falsch sein
Beispiel: Hund beißt Knabe
"beißen" ist der relationale Ausdruck der Proposition,
welcher die Beziehung zwischen den Argumenten "Hund" und "Knabe" festlegt
- dienen dem komplexen Wissensverständnis z.B. für
Textverständnis, Konversation, Vorstellungsbildung
Dies erleichtert bei der Präsentation eines Wortes,
wenn beide Wörter in der propositionalen Struktur des Textabschnittes
eng verbunden sind.
| Experiment | Vpn lesen zwei zusammenhängende Texte
danach Wiedererkennungstest für bestimmte Wörter Hypothese: beim Lesen werden Propositionen und Bedeutungsstrukturen wahrgenommen Wiedererkennen geht am schnellsten, wenn das Testwort auf ein Wort folgt, das mit der Bedeutungsstruktur des Textes verbunden war Aufgrund des semantischen Instruktionseffektes müsste die Reaktionszeit sinken |
| Ergebnis | Hypothese wurde bestätigt |
| Folgerung | Die Stärke des Instruktionseffektes ergibt
sich aus der Nähe der Wörter innerhalb der Bedeutungsstruktur
Instruktionseffekte treten schnell und automatisch auf (beim Lesen ist das günstig) |
ANDERSON & BOWER (1972) HAM-Modell
HAM: Human-Associative-Memory-Modell
globales Verarbeitungsmodell auf Grundlage propositionaler
Repräsentationen
Grundlegende Verarbeitungseinheit ist die Proposition.
Voraussetzung von 5 Assoziationsarten:
| 1.Assoziation | Kontext und Ereignis; Ereignis beschreibt, was vorgegangen ist, Kontext definiert Zeit und Ort des Ereignisses |
| 2:Assoziation | Aufspaltung des Kontext, Verknüpfung von Ort und Zeit |
| 3.Assoziation | Subjekt und Prädikat:
Subjekt beschreibt den Inhalt des Ereignisses, Prädikat die Eigenschaft bzw. was dem Subjekt passiert |
| 4.Assoziation | Prädikat wird in Relation und Objekt zergliedert |
| 5.Assoziation | Verbindung zwischen Begriff und Begriffsbeispiel |
Alle 5 Assoziationen bilden zusammen eine baumähnliche
Struktur mit Knoten und Begriffen und Pfeilen, die die Assoziationen
darstellen.
Grundinhalte des HAM:
Informationen sind episodisch und semantisch vorhanden,
Assoziationen unterscheiden sich hinsichtlich deren Verknüpfung
Sätze sind hierarchisch strukturiert, was
verschaltete
Propositionen zuläßt (Darstellung in einem verschalteten
Baum möglich)
LZG stellt ein weitläufiges Netzwerk propositionaler
Bäume dar, welches in einem Gesamtbaum abgebildet werden kann
Unterscheidung von TYP und ZEICHEN . Typ
ist allgemeiner Begriff, Zeichen ist ein Beispiel für eine entsprechende
Kategorie
- dadurch wird Wissen um allgemeine
Begriffe auf Beispiele des jeweiligen Begriffes anwendbar und umgekehrte
Generalisierungen auch
Unterscheidung zu den traditionellen assoziationistischen
Modellen hinsichtlich differenter Art der Verknüpfungen, Repräsentation
hierarchischer Satzstruktur und Unterscheidung zwischen Typen und Zeichen.
Wurde erfolgreich in den Computer implementiert und zeigt
dadurch Logik und Explizität.