Reinmann-Rothmeier, G. & mandl, H (2001) Unterrichten und Lernumgebungen gestalten
in A.Krapp & B.Weidenmann (Hrsg), Pädagogische Psychologie (S.601-646) Weinheim Beltz/PVU

Unterricht
    • initiiert
    • fördert
    • erleichtert 
  • >>>Lernprozesse
    • pädagogische Absicht
    • organisiert
    • innerhalb eines institutionellen Rahmens
    • professionell tätige Lehrende

Lernumgebung besteht aus einem Arrangement von
  • Methoden
  • Techniken
  • Lernmaterialien
  • Medien
  • kultureller  Kontext
Kognitivistisch
gegenstandszentrierte Lernumgebung
Primat der Instruktion
Instructional Design (ID) = Technologie
Lehrer=didactic leader
starke Systematisierung
Frontalunterricht
Fächergrenzen
Lernerfolgskontrolle
Lernen als rezeptiver Prozess
Lernender passiv
Wissenstransport vom Lehrenden zum Lernenden
Aufgabenanalyse
1.Anfangszustand/Vorwissen/Fähigkeiten
2.Endzustand >>> = neuer Anfangszustand
3. Übergänge zwischen 1 und 2 instruktional optimiert
Kritik: mechanistisch
Mastery Learning (Bloom)=Zeitfaktor relevant
kumulatives Lernen
Lernhierarchien
wenn-dann-Regel
Wissen existiert unabhängig vom Lernenden
neuere Generation berücksichtigt gemäßigten Konstruktivismus

Namen: Reigeluth, Gagne, Ausubel
 

Reigeluth: Elaborationstheorie
vom Einfachen zum Komplexen=Zooming
neue Inhalte auf Grundlage Vorwissen

Vorgehensweise der Elaborationstheorie:
1. Entscheidung über Organisation
konzeptionell
prozedural
theoretisch
2. Inhaltsanalyse
Konzepte
Verfahren
Prinzipien
3. Instruktionsgerüst
Vorgehensweise inhaltlich
4.Treatment vorbereitende Diagnostik
methodisch
inhaltlich
5.Zuordnung der Inhalte zu
Elaborationsniveaus
Unterrichtseinheiten
6. Optimale Sequenzierung
Formalstufen des Unterrichts (nach Tuiskon Ziller, 1976)
geschlossener , sequentieller und mechanistischer Prozess
Analyse  >>> Synthese >>> Assoziation >>> System >>> Methode
führte zu "Programmierter Unterricht" (B.F.Skinner 1971)
  • komplexer Lerninhalt wird fragmentiert und in kleinen Einheiten dargeboten
  • Verstärkung durch positives Feedback
  • Trainingsphase mit konkreten Lernaufgaben
  • Reaktionsanforderung (Beantworten einer Frage)
  • Rückmeldung: richtg= Verstärkung   falsch=keine Reaktion (Extinktion)
  • systematischer Aufbau
Kumulatives Lernen  nach R.M.Gagne (1962,1973)
Verbindung behavioristischer und kognitiver Aspekte des Lernens
aufeinander aufbauendes Instruktionsmodell
Entwicklung didaktisch angemessener Lernhierarchien
8 Typen des Lernens nach Gagne
1. Signallernen                          Signal >>> klassisch bedingte Reaktion
2. Reiz-Reaktionslernen            Reiz >>>>bestimmte instrumentelle reaktion
3+4. Kettenbildung                   zwei oder mehr RR-Verbindungen,  psychomotorsich oder verbal
5. Diskriminationslernen            unterschiedliche Reaktion auf verschiedene Reize
6. Begriffslernen                        Begriffe lernen und anwenden
7. Regellernen                           Erkennen von regelhaften Zusammenhängen
8. Problemlösen                        Kombination von 2 oder mehr Regeln
Expository Teaching (Ausubel 1974)
kognitive Struktur bestimmt die Lernprozesse
Lerninhalte und Darbietungsart werden systematisch geplant
Konzept des sinnvollen rezeptiven Lernens
Einbindung in Vorwissen (sinnhafte Bedeutung)

Darbietung des Lernmaterials
  • Advance Organizer:
    • Lehrender bietet "Ankerideen" höherer Ordnung an, Lernender ordnet dies in bestehende Wissensstrukturen ein
  • Progressive Differenzierung: vom Allgemeinen zum Spezifischen
    • Integrierendes Verbinden
  • Sequenzielle Organisation:
    • Einzelthemen werden in ihrer natürlichen Abhängigkeit verwendet (chronologisch)
  • Konsolidierung:
    • Wiederholung
Kritik an der kognitivistischem Lehrauffassung
keine differenzierten empirischen Belege
Replizierbarkeit problematisch
reduktionistisches Vorgehen ohne Brücksichtigung der gesamten Wissensstruktur
Verfahrensvorschriften (wenn-dann), ohne daß Ursache-Wirkungs-Zusammenhang eindeutig geklärt ist
Probleme bei den Lernenden
Reduktion der Eigeninitiative und Selbstverantwortung
Demotivation
lediglich extrinsische Motivation
Unlust
Disziplinprobleme
Leistungsverweigerung
Erzeugung von praxisfernem "trägem Wissen"

Konstruktivistisches Lernen in der Pädagogischen Psychologie
Situierte Lernumgebung
Primat der Konstruktion
Kontextbezug herstellen
konstruktive Eigeninitiative
Unterstützen, Anregen, Beraten
nicht zu verwechseln mit "radikalem Konstruktivismus"
theoretisches Paradigma der Soziologie, Kognitionswissenschaften, Psychologie
alles, was der Mensch wahrnimmt, beruht auf Konstruktion nund Interpretation.
Wirklichkeit ist immer ein kognitiv konstruiertes Phänomen des Individuums, das nur insofern verbindlich wird, als andere diese Auffassung teilen
neuer Konstruktivismus in der PP
Wissen ist keine Kopie der Wirklichkeit, sondern Konstruktion des Menschen (Wissensinhaber)
nicht "transportabel"
nicht getreu abbildbar
Situated Cognition
Lernen als aktiver, konstruktiver Prozess benötigt situierte Lernumgebungen, in denen eigene Konstruktionsleistungen möglich sind.
Kontextbezug

Ziele
  • neue Inhalte verstehen
  • flexible Anwendung neuer Kenntnisse und Fertigkeiten
  • Problemlösefähigkeit
  • andere kognitive Strategien entwickeln
Theoretische Grundüberlegungen
  • Wissen einer Gesellschaft ist imemr geteiltes Wissen, entwickelt aus sozialer Transaktion
  • Denken und Handeln ist nur vor (seinem)  konkreten (sozialen) Kontext verständlich
  • Lernen ist situiert = an inhaltliche und soziale Erfahrungen gebunden
  • Wissenserwerb durch aktive Konstruktion, nicht passive Rezeption
Aktuelle Modelle des Situierten Lernens

Guided participation (Rogoff 1990)
  • soziales Milieu schreibt eine Art kulturelles Curriculum vor
  • Lernen ist erfolgreich bei
  • kompetenten und von ihm anerkannten Sozialpartnern
  • Eigenverantwortlchkeit
  • zunehmender Komplexität
Community of practice (Lave 1991)
  • dialektische Beziehungen zwischen Menschen
  • Lernen im alltäglichen Tun und Gemeinschaft praktisch tätiger Menschen
Konzept der Situiertheit (Greeno 1989)
  • Kognitive Prozesse werden beeinflusst durch
  • Constraints (Handlungseinschränkungen)
  • affordances (Handlungsangebote)
  • Transfer von Wissen
    •  bei Kongruenz der alten mit der neuen Situation
    • Anpassungsmöglichkeit des Handlungsrepertoires
Situated Cognition (L.B.Resnick 1987)
  • Kognition ist eine sozial geteilte Realität
  • Probleme:
    • Isolation der Lernenden
    • keine Hilfsmittel
    • symbolische Inhalte
    • Anwendungsaspekt des Gelernten bleibt unbeachtet
Konstruktivistische Instruktionsansätze
Bearbeitung bedeutungshaltiger, authentischer Probleme
neue Informationstechnologien besonders gut geeignet
Erwerb primär unter Anwendnungsaspekten
Lernprozesse dienen auch zur Aneignung von Denkmustern, Überzeugungen und normativen Regeln
Anchored-Instruction  (CTGV,1997)
Erzählung und Beschreibung konkreter Problemsituation als "narrativer Anker"
Gestaltungsprinzipien:
  • Präsentation der authentischen Situation per Video etc.
    • Aufbau eines mentalen Modells der Fragestellung
  • situatives Interesse wecken
    • Einbindung in für den Schüler bedeutungsvollen Kontext
    • Aktivierung des eigenen Vorwissens
    • Erkenntnis eigener Wissensdefizite
  • Generatives Lernformat
    • Förderung der Kompetenz zur  Differenzierung und Spezifizierung der Problemstellung
  • eingebettete Daten
  • Problemkomplexität
    • weitgehende Anlehnung an reale Situation
  • Paare verwandter Abenteuer
    • 2 ähnliche Geschichten zur Förderung des eigenen  Perspektivewechsels
Beispiel: Jasper Woodbury >> verletzter Adler
Cognitive Flexibility-Theorie (Spiro & Jehng 1990)
  • Lernen ist multidirektional und multiperspektivisch
  • Vermeidung von Übervereinfachungen
  • Landscape-Criss-Crossing  == Perspektivewechsel beim gleichen Problem
  • besonders geeignet in komplexen und wenig strukturierten Gebieten (Medizin, Psychologie etc)
  • Empirie:  Lernen unter multiplen Perspektiven nur in Kombination mit iunstruktionaler Unterstützung
Cognitive-Apprenticeship (Collins,Brown,Newman 1989)
  • authentische Aktivitäten und natürlich soziale Interaktion
  • Praxisnähe (apprenticeship=Handwerkslehre)
  • Reale Problemstellung als Zieldefinition
  • Komplexität der Teilaufgaben steigt
  • Einbezug immer neuer Kontexte
  • Flexible Anwendung des erworbenen Wissens
  • kooperatives Arbeiten = sozial kommunikativer Austausch zwischen Lehrendem und Lernendem
  • Problemlösungsvergleich = Perspektivevariation
spezifisches Methodenrepertoire
Modelling:      Experte führt vor und erläutert
Coaching:        Lernender befasst sich selbst mit dem Problem und wird dabei betreut
Scaffolding:     bei Bedarf Unterstützung durch den Lehrenden
Fading:            mit zunehmender Sachkompetenz zieht sich der Lehrende zurück
Articulation:    Lösungen und Denkprozesse sollen artikuliert werden
Reflection:      Vergleich eigener Lösungen mit denen anderer
Exploration:    aktives Explorieren uns selbstständiges Problemlösen
Amerikanischer Pragmatismus  (Dewey) >>> verständiges Lernen, Bezug zum realen Leben

Projektmethode
(auch: Projektunterricht, -studium, -arbeit usw)
domänenübergreifend
Gruppenarbeit

Arbeitsschule (Kerschensteiner 1907)
lebensnahe Schule vs. Buchschule
Authentizittät fördern

Genetisches Lernen (Wagenstein 1973)
Lernen ausgehend von problemstellungen zu eigenen Entdeckungen
Beispielhafte Fälle in Variationen behandeln

Entdeckendes Lernen (Bruner 1981)

Entwickeln von Problemlösestrategien
Probleme der konstruktivistisch geprägten Lehr-/Lernauffassung
  • kaum empirische Befunde
  • emp. Befunde schwierig, weil  Kontextgebundenheit nicht  empirisch faßbar
  • kurzfristig schlechtere Leistungen in Wissenstests
  • langfristige positive Effekte noch nicht eindeutig belegt
  • vage Begrifflichkeiten: Eigenaktivität , Authentizität der Lernsituation etc.
  • fehlende Anleitung kann zu Desorientierung und Überforderung führen
  • Gefahr eines Schereneffektes: Leistungsstarke profitieren mehr als Leistungsschwache
  • in allgemein bildenden Schulen eher kognitivistische Unterrichtsformen sinnvoll
  • hoher Zeitaufwand für alle Beteiligten
Integration der kognitivistischen und der konstruktivistischen Lehr-/Lernposition
wissensbasierter Konstruktivismus
Lernen als persönliche Konstruktion von Bedeutungen ist nur auf einer ausreichenden Wissensbasis möglich
Lernenprozess  ist
1. aktiv
2. selbstgesteuert
3. konstruktiv
4. situativ
5. sozial
5 Leitlinien für problemorientierten Unterricht

1. situiert und anhand authentischer Probleme lernen
hoher Anwendungsbezug
Lernumgebung soll Umgang mit realistischen Problemen ermöglichen
Realisationsumfang:
minimal:  an aktuelle Probleme, authentische Fälle oder persönliche Erfahrungen anknüpfen
maximal: authentische Problemsituation mit realem Handeln

2. Multiple Kontexte
Übertragung des Gelernten auch auf andere Problemstellungen
minimal:  mehrere Anwendungssituationen
maximal: Anwendung in unterschiedlichen Problemstellungen

3. Multiple Perspektiven
minimal:  verschiedene Sichtweisen verdeutlichen
maximal: Anwendung in unterschiedlichen Problemstellungen

4. Sozialer Kontext
kooperatives Lernen ermöglichen
Gruppenlernen
minimal:  Phasen mit Partner- oder Gruppenarbeit
maximal: Lernen in Expertengemeinschaft

5. Instruktional unterstützt

Empirische Argumente für problemorientierte LU

  • Bezug zum adaptiven Lernen
  • Wechselwirkung zwischen individuellen Lernvoraussetzungen und Wirksamkeit von Lehrmethoden
  • Lernende und Methoden müssen aneinander angepasst (adaptiert) werden
  • Mikroadaption: in kurzen Abständen nachjustieren
  • Makroadaption: längere Adaptionsintervalle
  • Adaptionsmaßnahme variieren
    • Lernziel
    • Lehrmethode
    • Lernzeit
  • zusätzlicher Unterricht zur Defizitbeseitigung (Fördermodell)
  • Lernhilfen bereitstellen (Kompensationsmodell)
  • Stärken nutzen (Präferenzmodell)
positive Ergebnisse bei Längsschnittstudie bei unterstützender Kontrolle
negative bei autoritär-kontrollierendem Lehrerverhalten

Gestaltung von Lernzyklen
Vision entwickeln - Look ahead
initial challenge - erste Aufgabe
generating ideas - Lösungsansätze generieren
multiple perspectives - mehrere Beispiele
research and revise - neue Kenntnisse und Fertigkeiten erwerben
test your mettle - Evaluation und Instruktion
assessment - Präsentation der Ergebnisse
reflect back  - Lernfortschritt reflektieren

Schlüsselqualifikation
- dekontextualisiertes, entspezialisiertes, funktional-autonomes Wissen und Können.
Selbststeuerung
  • Wahlmöglichkeit
  • Möglichkeit  etwas zu bewirken
  • Handlungs- und Lernstrategien
  • maotivational-emotionale Faktoren
  • Selbstbild
Strategien der Selbststeuerung
  • Informationsverarbeitungsstrategien
    • Elaborationsstrategien
    • Organisationsstrategien
  • Kontrollstrategien
  • Ressourcenstrategien
  • Selbstbilderhaltende Bewältigungsstrategien
    • Mißerfolge externalisieren
    • Anstrengungen erhöhen
    • Vermeiden
  • Volitionale Bewältigungsstrategien
    • Kontrolle von Aufmerksamkeit
    • Motivationskontrolle
    • Emotionskontrolle
    • Gestaltung der Lern-Umwelt
  • Möglichkeiten der Selbststeuerung
    • Vorbereiten des Lernens - Ziel-/Interessenkongruenz >> intrinsische Lernmotivation
    • Steuerung des Lernprozesses - Einsatz der Strategien
    • Kooordination des Lernens - Abschirmen gegen Störungen, Zeitplanung
    • Organisieren des Lernens - Autonomie der Durchführung
  • Förderung des selbstgesteuerten Lernens
    • direkt - kognitive und motivationale Lernstrategien vermitteln (Training)
    • Bedingungen der Person des Lernenden verändern
      • Kontroll- & Selbstreflexionsstrategien vermitteln
      • kognitives Modellieren
      • informiertes Training
    • indirekt - Lernumgebungsgestaltung
      • Leittext-Konzept
      • Spielräume für eigene Entscheidungen schaffen
      • Zielformulierung durch Lernenden
  • Community-of-practice - Kooperatives Lernen
    • Einbettung des Lernens in soziale Kontexte - Lern-Gemeinschaften
    • Übernahme von gruppenspezifischen Denkmustern, Einstellungen und Normen
    • Aneignung von Expertenkniffen
    • Interaktion zwischen den Gruppenteilnehmern
    • "Wir"-Gefühl
  • Bedingungen für Lern-Kooperation
    • kognitiver Orientierungsstil
      • Austausch
      • Problemdiskussion
      • kollaboratives Problemlösen
    • Aufgabenwahl
      • Aufgabe , die Aufteilung erfordert
    • Anreizstruktur
      • Belohnungen für kooperatives Lernen
    • organisatorischer Rahmen
  • Förderung der Lern-Kooperation
    • systematische Anleitung
    • systematische Kompetenzförderung
    • Gruppentechniken
      • Jigsaw - Gruppenpuzzle
        • Aufteilung in Teilgebiete
        • Expertengruppen für ein Teilgebiet
        • Reorganisation der Gruppen 
        • ein Experte vermittel den anderen seinen Anteil
      • Group Investigation - Gruppenrecherche
        • Kleinprojekte, die wechselseitige Unterstützung benötigen
        • Präsentation in Gesamtgruppe
  • Hemmschuhe selbstgesteuerten Lernens in der Schule
    • ungewohnt
    • rezeptive Lernhaltung erworben
    • Prüfungspraxis fördert Reproduktion gelernter Inhalte, nicht Gesamtverständnis
    • Lernen als "kognitivistisch"/mechanischer Prozess
    • Probleme bei Lehrenden (Stoff,Vorgaben,Kontrolle)
Reciprocal teaching
CBT - computer based trainings in beruflicher Weiterbildung