Pädagogisch-psychologische Diagnostik
i: A.Krapp & B.Weidenmann (Hrsg) Pädagogische Psychologie (4.Auflage) S.515-564 Weinheim:Beltz/PVU

diagnostische + prognostische Prozesse >>> professionelles Handeln
Diagnostik im Handlungsverlauf (Prozessmodell nach Krapp 1979)
1. vorbereitende Phase
2. Praktische Phase
1.1.Problemstellung
1.2.Treatment-vorbereitende Diagnostik
  • Ist - Soll-Vergleich
  • geeignete Maßnahme bereitstellen
  • positive vs. negative Effekte vorhersagen 
    • Prognose
      • Ist-Zustand feststellen
      • kausales Bedingungsmodell
1.3.Ziele des Treatment
   >>>>>investigatorische Entscheidung (Rückkoppelung zu 1.2.)
1.4.Terminale Entscheidung
2.1.Treatment
2.2.Treatmentbegleitende Diagnostik
  • formative Evaluation
  • Prozessdiagnostik
2.3. Entscheidung über Treatmentverlauf
 >>>>> Rückschleife zu 2.1.
2.4. Treatmentabschließende Diagnostik
  • summative Evaluation


Modifikationsstrategie
  • Umwelt auf die Person oder /und die Umwelt/en abstimmen
    • Lernhilfen
    • Beratungsangebote
Selektionsstrategie
  • Person anhand Umweltkriterien zuordnen
    • Zuordnung nach Schultypen
    • Eignungsdiagnostik
    • Einschulungsdiagnostik
    • Studienplatzvergabe
    • oft auch Klassifikation: Auswahl mehreer geeigneter Treatments
4 Strategiemuster
  1. Personenmodifikation       >>>>   3. berufsrelevante Fertigkeiten werden vermittelt
  2. Bedingungsmodifikation    >>>>   4. Studiengangwechsel
  3. Personenselektion             >>>>  2.  ZVS wählt aus
  4. Bedingungsselektion          >>>>  1. Studiengangwahl
Diagnostische Methoden
Klassische Testtheorie
welche Kriterien für die Bewertung der Qualität einer Messung und deren Ermittlung
(Tests, Fragebogen,mündliche Prüfungen,Fremdbeobachtungen, Interviews)
Prinzip: Beziehung zwischen beobachteter Wert <> Messfehler <> wahrer Wert
Nachteil: zu einem Zeitpunkt, nicht über die Zeit. Zeitliche Stabilität wird vorausgesetzt.

Reliabilität
  • Genauigkeit einer Messung
  • Bandbreite 0 - 1
    • Wiederholungsreliabilität
      • zeitliche Stabilität eines Merkmals
    • Paralleltestreliabilität
      • Gleichwertigkeit der Messungen aus 2 Tests
    • Split-Half-Reliabilität und Konsistenzanalyse
      • Genauigkeit einer Messung auf Basis der Homogenität von Anztworten bei 2 Testhälften
Axiome der klassischen Thesttheorie
  • Erwartungswert des Messfehlers ist Null
  • Messfehler  eines Tests korrelieren nicht
    •   mit dem wahren Wert des gleichen Tests
    •   mit den Messfehlern eines anderen Tests
    •   mit den wahren Werten aus einem anderen Test
Objektivität
Messergebnis hängt nur vom zu messenden Merkmal und nicht von der Person des Mesenden ab
  • Durchführungsobjektivität
    • vergleichbare Untersuchungsbedingungen
  • Auswertungsobjektivität
    • Flüchtigkeitsfehler des Testleiters
    • Bewertung offener Antworten
  • Interpretationsobjektivität
    • gleiche Interpretation von verchiedenen Auswertern
Validität
erfasst die Messung das richtige Merkmal (und kein anderes)
nicht biologische Fragen in Mathetest
  • Inhaltsvalidität
    • passt der Itempool eines Tests zum zu messenden Merkmalsbereich
    • Fragen passen zum Thema
  • Kriteriumsvalidität
    • Validierung eines Schulreifetests am späteren Schulerfolg der Pbn
  • Prädiktive Validitätskoeffizienten
    • wichtigstes messtechnisches Gütekriterium
Latent-Trait

Ergebnisse sind Indikator  füe eine latentes, nicht direkt beobachtbares Verhalten, das indirekt erschlossen werden kann (probabilistisches Verfahren)

Bezugsnormen

Soziale Bezugsnormen
Ausprägung eines Merkmals im Vergleich zur sozialen Umwelt (andere Schüler)

Individuelle Bezugsnorm
Verhältnis in absoluten Zahlen im, Vergleich zur Vorperiode (Schuljahr)

Kriteriale Bezugsnorm
Leistung in bezug auf ein vorher festgelegtes Erfolgskriterium  (30 von 70)

Normskalen der psychologischen Diagnostik
  • z-Wert:          Mittelwert=0 Standardabweichung=1
  • IQ-Wert:       Mittelwert = 100 Standardabweichung=15
  • T-Wert:         Mittelwert=50, Standardabweichung=10
  • Prozentränge von 0.01 - 99.99

Methoden zur Erfassung von Personenmerkmalen
Entwicklungstests
WET (Wiener Entwicklungstest)
siehe auch www.zpid-psychologie.de

Diagnose von Lernvoraussetzungen
Schulreifetests

KEV (Kieler Einschulungsverfahren)
MSD (Mannheimer Schuleignungsdiagnostikum)
GSS (Göppinger sprachfreier Schuleignungstest)
Diese Tests sind als Selektionsinstrumente ungeeignet (Mandl & Krapp 1977)
Gruppe der falschen Negativen betroffen: geeignet, aber schulunreif diagnostiziert

Intelligenztests
1.I-test 1905 Binet
WIT  (Wilde Intelligenztest)
Probanden ab 14 Jahre
4-5 Stunden
eignungsdiagnostisch ausgerichtet
7 Primärfähigkeiten (nach Thurstone)
  1. Räumliches Vorstellen
  2. Rechenoperationen
  3. Sprachliche Bedeutung und Beziehung
  4. Flüssigkeit sprächlicher Einfälle
  5. Merkfähigkeit/Gedächtnis
  6. Logisches Schliessen
  7. Erkennen von Details
15 Untertestes erweitern das Spektrum an abgefragter kognitiver Funktionen
IQ ist kein absoluter Messwert, sondern ein statistisch ermittelter Normwert, der die Abweichung vom Mittelwert der Vergleichsgruppe anzeigt.

Eignungsdiagnostik für den Beruf
SAT Scholastic aptitute test    (USA/GB)
TMS Test für medizinische Studiengänge - Zusatztest zum Medizinstudium

Schulleistungstests
normorientierte Verfahren (vorher festgelegte Parameter)
kriteriumsorientierte (Verhältnis zur Bezugsgruppe)

Informelle Tests
selbst entwickelte für  gleichartige Prüfungen

Mündliche Prüfungen


Aufsatzprüfungen


Selbstbeurteilung

Zensuren, Noten

Verbale Leistungsbeurteilung

Familiendiagnostisches Testsystem (FTDS Schneewind et al 1985)
Familien mit Kindern  9 - 14 Jahren
modularer Aufbau
Beziehungsaspekte
Gesamtfamilie
Beziehungen zwischen Ehepartnern
Eltern-Kind-Beziehung
wahrgenommene Familienbeziehungen
dyadische Beziehungskosntellationen werden abgefragt
MT, MS, VT, VS, SV, SM, TV, TM

Items Erziehungsstilerfassung
  • Erziehungseinstellungen
    • autoritäre Rigidität
    • Behütung
    • Inkonsistenz
  • Erziehungsziele
    • Selbstständigkeit
    • Konformität
    • Leistungsergeiz
  • Erziehungspraktiken
    • materielle Belohnung
    • körperliche Bestrafung
    • Belohnung durch Zuwendung
Items Familienklimaaspekte
  • Zusammenhalt
  • Offenheit
  • Konfliktneigung
  • Selbstständigkeit
  • Leistungsorientiertheit
  • kulurelle Orientierung
  • aktive Freizeitgestaltung
  • religiöse Orientierung
  • Organisation
  • Kontrolle
Items Ehepaarbeziehungsqualität
4 Dimensionen
  • Zärtlichkeit
  • Konflikt
  • resignative Unzufriedenheit
  • Ausmaß der Unterdrückung
Validitätsprobleme
innerhalb Familien, insbesondere bei Kleinkindern,
aber auch Wahrnehmungsbeeinflussung durch Entwicklungsphasen (Pubertät)

Klassenklima
Frage des Einflusses der Lernumwelt auf den Lernerfolg

Landauer Skalen zum Sozialklima (LASSO, 1985, 1987)
subjektive Wahrnehmung der Umwelt (Schulumwelt)
Untersuchung der Lehr-Lernumwelt aus Sicht der Schüler
ab der 4.Klasse anwendbar
Dauer 1 Stunde
zwingend als Gruppentest, da aggreggiertes Klassenklima erforscht wird
142 Items

1.Lehrer-Schüler-Beziehung
  • Fürsorglichkeit des Lehrers
  • Aggressionen gegen den  Lehrer
  • Zufriedenheit mit dem Lehrer
  • Autoritärer Führungsstil des Lehrers
  • Bevorzugung oder Benachteiligung durch den Lehrer

2.Schüler-Schüler-Beziehung
  • Ausmaß der Cliquenbildung
  • Hilfsbereitschaft der Mitschüler
  • Aggression der Mitschüler
  • Diskriminierung von Mitschülern
  • Zufriedenheit von Mitschülern
  • Konkurrenzverhalten von Mitschülern

3.Allgemeine Merkmale des Unterrichts
  • Leistungsdruck
  • Zufriedenheit mit dem Unterricht
  • Disziplin und Ordnung
  • Fähigkeit des Lehrers zur Vermittlung von Lerninhalten
  • Resignation
  • Reduzierte Unterrichtsanteilnahme
Stärke : Erfassung der sozialen Interaktion im Unterricht

Adaptives Testen/Adaptive Diagnostik

Schwierigkeitsniveau des Items wird optimal auf das Leistungsniveau amgepasst
Im Idealfall während der Testprozedur
möglich mit mcomputerbasierten Testsystemen

in Abhängigkeit von der Qualität der vorangegangenen Antwort wird die nächste Aufgabe gestellt.
Test nicht nur richtig, falsch, sondern auch andere Aspekte wie Zeitdauer, benötigte Hilfen, Lernverlauf über die Zeit etc.

Computergestützte Diagnostik
vernetzte Systeme und  Wissensstrukturen können erfasst und verarbeitet werden
Simulationsprogramme